Diebach

Diebach liegt mit seinen heute rund 200 Einwohnern ca. vier Kilometer nordwestlich von Neustadt an der B8. Der Ort wurde bereits 912 erstmals als „Thiofbah“ erwähnt, nach Neustadt eingemeindet wurde Diebach 1969. Beliebter Anlaufpunkt ist das Gasthaus „Zum Grünen Baum“, eine ehemalige Brauerei.

Kurios: Der durch den Ort fließende Rempelsbach teilt es kirchlich. Der nördliche Ortsteil (von den Ansässigen „Schnorrndorf“ genannt) gehört zur Pfarrei Neustadt und der südliche Ortsteil („Nemmersgor“) zu Schauerheim. Durch das Dorf führt die Bundesstraße 8.
Sehenswürdigkeiten:
- Ehemaliges Zollhaus an der Bundesstraße 8 aus dem Jahr 1787 mit Brandenburger Wappen und der Jahreszahl im Keilstein der Türe.
- Verkehrsübungsplatz mit großem Spielplatz
Exekution als Abschreckung
Ein willkürliches Opfer der nationalsozialistischen Mordmaschinerie war der Fall des polnischen Landarbeiters Szymon Wasiak (1905–1942), der am 29. Juli 1942 in einer kleinen Waldlichtung nahe Diebach nördlich der Reichsstraße 8, der heutigen Bundesstraße 8, aufgehängt wurde.
Die Exekution erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Anwesenheit von ca. 50 lokalen Parteigrößen aus Neustadt und dem Landkreis, des Bürgermeisters von Diebach und einiger Dutzend polnischer Zwangsarbeiter aus dem gesamten Kreisgebiet. Der 37-jährige Szymon Wasiak, Vater dreier Kinder, wurde auf Anweisung des Reichsführers der SS ohne vorheriges Gerichtsverfahren erhängt.Szymon Wasiak war am 19. September 1941 wegen versuchter Vergewaltigung festgenommen und in das Neustädter Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert worden. In dem vorausgegangenen Polizeiverhör des Gendarmerie-Postens Neustadt a. d. Aisch bestritt er nicht, gegenüber einer Frau sexuell übergriffig geworden zu sein, wies aber den Vorwurf einer beabsichtigten Vergewaltigung entschieden zurück. Auch das Opfer seines Übergriffs bestätigte den Vorwurf einer Vergewaltigung nicht. Im Polizeiverhör sah die Frau ausdrücklich von einer Anzeige ab, forderte jedoch eine sichere Verwahrung, damit er „nicht auch andere Frauen belästigen könne“.
Obgleich die polizeilichen Vernehmungsprotokolle die sexuelle Belästigung, nicht aber eine versuchte Vergewaltigung bestätigen, stellte der Neustädter Landrat am 26. September 1941 Anzeige gegen Wasiak bei der Geheimen Staatspolizei, Staatspolizeistelle Nürnberg-Fürth, wegen eines Verbrechens gegen die Volksschädlings-Verordnung. Szymon Wasiak wurde daraufhin erhängt.
Dieser Vorfall beschäftigt die Menschen in Diebach bis heute. Von Bürgermeister Hans Dingfelder wissen wir, wie sehr ihn dieser Vorfall belastet hat und die Anordnung, eine falsche Todesursache, nämlich akute Herzlähmung, in das Einwohnerbuch der Gemeinde eintragen zu müssen.
Aus dem Gefangenenbuch des Gerichtsgefängnisses Neustadt/Aisch von 1941 geht hervor, dass der polnische Landarbeiter Szymon Wasiak, geb. am 23. Oktober 1905 in Babia Góra in Polen, am 19. September 1941 eingeliefert und dort als PH (Polizeihäftling) geführt wurde. Dreizehn Tage später erfolgte die Überstellung ins Polizeigefängnis nach Nürnberg, wo er sich in Schutzhaft befand. Am 7. Mai 1942 wurde er nach 215 Hafttagen vom Polizeigefängnis ins Städtische Krankenhaus Nürnberg eingeliefert. Ob von dort aus oder vom Polizeigefängnis der Transport nach Diebach stattfand, ließ sich nicht ermitteln.
Am 7. Januar 1942 teilte die Gestapo dem Oberstaatsanwalt beim Landgericht Nürnberg-Fürth mit, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien.
Mit Schreiben vom 30. Juli 1942 unterrichtete die Staatspolizeistelle der Geheimen Staatspolizei den Oberstaatsanwalt als Leiter der Anklagebehörde beim Sondergericht Nürnberg über den Tod des Delinquenten:
„Ich gestatte mir mitzuteilen, dass der Pole Szymon W a s i a k, geb. am 23.10.1905 in Babia-Gora, auf Befehl des Reichsführers der SS am 29.07.42 in der Nähe von Diebach erhängt wurde.“Der Todeseintrag im Sterbebuch der Gemeinde Diebach vom 29.7.1942 lautet – wie von der Gestapo gefordert: akute Herzlähmung. Szymon Wasiak, geboren am 23.10.1905.
Vor der Spruchkammer Neustadt a. d. Aisch gab Bürgermeister Hans Dingfelder den folgenden Bericht über die Vollstreckung des Todesurteils ab:
„Ich wurde am Tag zuvor von der Gendarmerie verständigt, dass am 29.7.42 die Erhängung des Polen in Diebach stattfindet und ich daran teilzunehmen habe.
Am 29.7.1942 selber sind dann von Nürnberg ein Lastauto mit einigen polnischen Sträflingen (in Sträflingsanzügen) und einem Galgen angefahren. Der Pole W. wurde in einem Personenwagen gebracht. Die Exekutionsstelle war abgesperrt, und es durfte von der Bevölkerung niemand in die Nähe.
Ein SS-Offizier las in Deutsch und Polnisch das Todesurteil vor. Da ich selber sehr aufgeregt war, kann ich leider genauere Angaben nicht machen. Darauf wurde W. von polnischen, mitgebrachten Sträflingen aufgehängt. Die Polen des gesamten Kreises mussten an dieser Aktion teilnehmen.
Nachdem der Amtsarzt Dr. Pelzner den Tod festgestellt hatte, wurde W. in einen mitgebrachten Sarg gelegt, auf das Lastauto verladen und mit nach Nürnberg genommen. Desgleichen wurden Galgen usw. wieder mitgenommen.“
Ortssprecher
- E-Mail:martingareis93@gmail.com
